PROJEKTE

PROJEKTE

Reclaim Your Club – Workshops & Arbeitsgruppe

Ausgangslage:

Reclaim your Club ist ein Workshopformat vom Hidden Institute und eine Arbeitsgruppe von Berliner Club- und Partyveranstalter*innen, in der es um die Frage geht, wie sich Clubs und Party-Kollektive einer selbstreflexiven Praxis in Bezug auf die alltägliche Reproduzierung von hegemonialen Macht- und Verwertungslogiken aussetzen können. Darüber hinaus sollen im Rahmen dieser Diskussionen emanzipatorische Alltags-Praktiken in und für Clubs ausgetauscht und gemeinsam (weiter-)entwickelt werden.

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Fragestellungen:

· Wie können wir Clubs und die Clubkultur (re-)politisieren?
· Wie können wir Clubgästen eine emanzipatorische Systemkritik vermitteln?
· Wie können wir offene, anschlussfähige „Betriebsstrukturen“ etablieren?
· Wie vermeiden wir eine zunehmende Selbstausbeutung durch prekäre Produktionssituationen?
· Wie können wir die Produktionsbedingungen für Clubmitarbeiter*innen, Gäste und Musiker*innen verbessern?
· Wie vermeiden wir unreflektierte und ungewollte positive Imageproduktionen für ein neoliberal orientiertes Stadtmarketing?

Aus dem 1. Workshop haben sich grundsätzlich drei (politische) Handlungsfelder ergeben:

1. Parties (re-)politisieren?
Die Inhalte und Konzepte der Dienstleistung und Produktion der Partys in Bezug auf und mit den Akteur*innen des Produktionsbereiches überarbeiten und auf ihre politische Relevanz hin untersuchen. (Partygäste. Orgaleute und das Personal).
→ Wirkung nach Innen

2. Clubs als politische Räume nutzen?
Es sollen klarere Strategien entwickelt werden, wie das räumliche und ressourcen-bezogene Potential von Clubs und Party-Kollektiven über das Veranstalten von Parties hinaus als Plattformen für Produktionsorte von politischer Arbeit und Widerstand genutzt werden kann. Dieser Ansatz bezieht sich vor allem auf die (Stadt-)Gesellschaft und nicht „nur“ Party-affine Akteur*innen (Anwohner*innen, Refugees, Politgruppen, Künstler*innen etc.).
→ Wirkung nach Außen

3. Selbstdarstellung überarbeiten?
Den Club nicht nur als Szenegenerator und Ort, sondern auch im weiteren und ganz konkreten Sinne als Kulturproduzent Schwelle und Verbindung zwischen „innen“ und „außen“

Darüber hinaus haben sich verschiedene Praxisbereiche und Schwerpunktthemen herauskristallisiert, die zentrale Rollen und Herausforderungen im Cluballtag darstellen:

> Staff/Personalpolitik
> Struktur und Hierarchie
> Booking policies
> Doorpolicy
> Awareness and Safe Spaces
> Inklusion / Exklusion
> Green clubbing

Transformierende Gemeinschaften

Workshop Gemeinschaft gestalten @ NachDenkstatt 2015Vom 13. bis 15. November 2015 fand der Workshop „Gemeinschaft gestalten“ im Rahmen der transdisziplinäre Tagung „NachDenkstatt– Miteinander.Wandel.Denken.“ an der Oldenburger Carl von Ossietzky Universität statt. Ausgehend von den Wünschen und Utopien der rund zwanzig Teilnehmenden wurden grundlegende Fragen zum Leben in Gemeinschaften diskutiert. Darauf aufbauend und unter Berücksichtigung der individuellen Motivation und Interessen haben die Teilnehmenden Konzeptideen für Gemeinschaftsprojekte entwickelt, die sie weiterverfolgen wollen. Am zweiten Workshop-Tag präsentierten Heike Derwanz und Michael Ziehl vom Hidden Institute sieben Gemeinschaftsprojekte, die sie mit initiiert oder zu denen sie geforscht haben

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Präsentiert wurden die NutzerInnengemeinschaft des Alten Sportamts sowie das Kunst- und Wohnprojekt Sproutbau in Bremen, das Gängeviertel, die Kleiderei und die Kleiderkammer Wilhelmsburg in Hamburg, der Kattendorfer Hof und der Leerstandsmelder als Online-Projekt. Anhand der Projektauswahl wurden unterschiedliche Formen des Miteinander vorgestellt und die jeweiligen Eigenschaften und Probleme erläutert. Die Erkenntnisse dienten als Grundlage für eine kritische Reflexion von Gemeinschaften im Kontext aktueller gesellschaftlicher Entwicklungen.

Die vorgestellten Projekte sind entweder Konsum- oder Produktionsgemeinschaften. Des weiteren eint sie, dass ihre Mitglieder gemeinsam gesellschaftliche Teilbereiche transformieren wollen – wie Zugang zu Wohn- und Arbeitsräumen, Lebensmittelversorgung oder Kleidungskonsum. Daher der Begriff „transformierende Gemeinschaften“.

 

Fazit

Im Workshop konnten wir zeigen, dass transformierende Gemeinschaften nicht von einem Ort als Zentrum ausgehen. Sie können sich sporadisch zusammenfinden oder dezentral online existieren. Dennoch brauchen sie einen gemeinsam geteilten Raum, über den sie verfügen können. Sie finden zusammen aufgrund einer gemeinsam geteilten Idee oder durch den Willen Handlungen durch die Gemeinschaft sichtbarer, sinnvoller oder stärker zu machen. Der Aufbau von Gemeinschaften ist ein Aushandlungsprozess, bei dem Hierarchien, Images, Exklusionen und andere unvorhergesehene Entwicklungen produziert werden. Gemeinschaften werden aber auch durch äußere Faktoren beeinflusst.

Transformierende Gemeinschaften bilden sich als in der Regel als Reaktion auf (stadt-)gesellschaftliche Entwicklungen. Ihre Existenz ist in vielen Fällen prekär aufgrund von mangelnden Ressourcen und einem Spannungsfeld aus äußeren Einflüssen und internen Dynamiken. Wenn sie beendet werden, kann das verschiedene Ursachen haben – vom Erreichen des gemeinsamen Ziels bis zur Auflösung aufgrund zu vieler Widerstände. Auch wenn ihre Handlungsmacht und ihre Existenzzeit oftmals stark beschränkt sind, leisten sie in vielen Fällen einen aktiven Beitrag zu (stadt-)gesellschaftlichen Transformationsprozessen.

 

Organisation

Die Nachdenkstatt 2015 wurde veranstaltet von Studierenden der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. Der Workshop „Gemeinschaft gestalten“ wurde in Kooperation mit dem Hidden Institute konzipiert und umgesetzt.

 

Material

Download: Dokumentation NachDenkstatt

Relay the Everyday

Workshop Relay @ Urbanize 2015Unter dem Titel „Testing Relay“ fand am 4. Oktober im Rahmen des 6. Urbanize Festivals in Wien der erste Workshop zu unserem Themenfeld „Relay – Alltägliche Ressourcen praktisch umverteilen“ statt. Nach viertägiger Vorbereitung wurden verschiedene „Relays“ in der Festivalzentrale und im öffentlichen Raum getestet. Rund fünfundzwanzig Teilnehmer*innen waren gekommen, um Konzepte und Ideen des nicht-kommerziellen Teilens und Weitergebens von alltäglichen Ressourcen praktisch und in gemeinsamer Diskussion zu erforschen. Vier verschiedene Arten von „Relays“ wurden gebaut und durch den Workshop getestet.

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Der „Ticket-Fair-Teiler“ kann aus einer leeren Zigarettenschachtel oder ähnlichen kleinen, leichten und im Alltag vorhandenen Verpackungen bestehen und stellt ein sichtbares Behältnis zur Weitergabe von Fahrscheinen für den öffentlichen Nahverkehr dar. Der „Stadt-Fair-Teiler“ nimmt das Prinzip von Aushängen mit Abreißtelefonnummern auf und bezieht sich jeweils auf das Verteilen von einer Ressource, wie beispielsweise das Angebot einer Dusche, einer Mahlzeit oder Zeit für ein gemeinsames Kaffeetrinken. Schließlich wurde mit dem „Makro-Relay“ aus zwei großen Tafeln auf einem Gestell ein Objekt entwickelt, das den Tausch unterschiedlichster Gegenstände von Süßigkeiten über Stadtpläne bis hin zu Geld ermöglicht. Diese drei „Relays“ wurden während des Workshops im öffentlichen Raum installiert um deren Nutzung beobachten und anschließend zu analysieren zu können. Ein viertes gedankliches Experiment war das „iRelay“ welches die Beziehungen untersuchte, die durch Tauschen, Teilen, Weitergeben zwischen Menschen und anderen Menschen wie Dingen aufgebaut werden. Ein farbiges Ribbon als Zeichen für Solidarität soll eine Bereitschaft für Interaktion aufzeigen und so die Schwelle beim Ansprechen von Fremden nivellieren sowie damit das Verhältnis der Gebenden und Nehmenden bewusst zu einer Begegnung auf Augenhöhe relativieren.

Die „Relays“ wurden aus dem Nachdenken über Praktiken des Teilen, Tauschens und Schenkens in der Stadt entwickelt und fragen nach deren Grundlagen: Welche Gegenstände und Handlungsformen eignen sich dafür? Beispielsweise wird das Aufstellen von Give-away-Boxes, Foodsharing, der Austausch von Büchern in Bussen oder Boxen im öffentlichen Raum, von Werkzeugen oder das Weggeben von Dingen durch das Kennzeichen „zu Verschenken“ in Groß- und Kleinstädten seit vielen Jahren oft wie selbstverständlich realisiert. Im Design- und Entwicklungsprozess der „Relays“ wurden aus diesen Beispielen Fragen der Offenheit und Erkennbarkeit, von Zugangsschranken und Sichtbarkeiten, sowie die der Gefahr einer Zerstörung, abgeleitet. Die Platzierung im öffentlichen Raum, welche das „Relay“ durch eine kritische Masse erreichbar macht, ist ein weiterer grundlegender Faktor einer erfolgreichen Nutzung. Es wurde ebenfalls kritisch diskutiert, wessen „Gewinn“ gegebenenfalls durch das Umverteilen gemindert werden könnte und ob dies den solidarischen Grundgedanken unterstützt oder auch nicht.

 

Fazit

Teilen, Tauschen, Schenken, Stiften und Leihen sind durch „Relays“ möglich und können anonym oder sichtbar durchgeführt werden oder der persönliche Kontakt auf Augenhöhe bewusst gemacht werden. Sie zeichnen sich materiell dadurch aus, dass sie sich leicht anwenden, kopieren und verbreiten lassen, um in der Stadt sukzessiv, spontan und alltäglich zu wirken. Eine weitere Beobachtung des Workshops ist, dass sich durch diese Praktiken auch die Werte der getauschten Güter verändern, die einen vom Kontext abhängigen Wert, einen unabhängigen Wert oder einen symbolischen Wert besitzen. Sie reproduzieren nicht die Logik des „honorigen Spendens“ und Bedürftig-Seins einzelner, sondern entwerfen eine Alltagslogik, die quer zum rein Ich-bezogenen Konsum funktioniert.

 

Organisation

Das 6. Urbanize-Festival zum Thema „Do it Together. Perspektiven eines kooperativen Urbanismus“ wurde veranstaltet von dérive – Verein für Stadtforschung. Der Workshop „Relay“ wurde im Auftrag von dèrive für das Festival-Themenfeld „Perspektiven eines kooperativen Urbanismus“ vom Hidden Institute konzipiert und durchgeführt.

 

Fotos

Ticket Fair Teiler Stadt Fair Teiler Makro Relay